Mit der Startnummer 76 stellte sich Georg Motorsport am 6. Juni 2026 erneut einer der ungewöhnlichsten Herausforderungen im deutschen Breitensport: 660 Minuten Dauereinsatz mit dem Trabant auf dem DEKRA Lausitzring.
Ausdauer statt Leistung
Beim „Eens zu Fuffzsch am Ring“ standen nicht moderne Rennwagen mit mehreren Hundert PS im Mittelpunkt, sondern liebevoll vorbereitete Fahrzeuge ostdeutscher Automobilgeschichte. Das sportliche Herzstück der Veranstaltung bildeten die „660 Minuten vom Lausitzring“ – ein elf Stunden dauernder Langstreckentest ausschließlich für Trabant-Fahrzeuge.
Georg Motorsport brachte auch 2026 wieder seine bekannte Rennpappe an den Start. Der Trabant 601 mit der Startnummer 76 ist mit Überrollkäfig, Rennsitz, Sicherheitsausrüstung und einem speziell vorbereiteten Fahrwerk für den Einsatz auf der Rennstrecke ausgerüstet. Leistung im Überfluss sucht man hier vergeblich – dafür zählen saubere Vorbereitung, ein materialschonender Fahrstil und zuverlässige Technik.
53 Trabant im Dauereinsatz
Insgesamt gingen 53 Trabant auf die Strecke. Die Fahrzeuge mussten über elf Stunden Ausdauer und Zuverlässigkeit beweisen. Zugelassen waren Rennpappen mit maximal 32 PS und einem vorgeschriebenen Gewicht von rund 560 Kilogramm im vollgetankten Zustand. Die schnellsten Fahrzeuge erreichten auf dem Lausitzring Geschwindigkeiten von ungefähr 118 km/h.
Ein solches Rennen wird nicht allein durch schnelle Runden entschieden. Fahrerwechsel, Tankstopps, Reifen, Motortemperaturen und der technische Zustand des Autos müssen permanent überwacht werden. Fast kein Fahrzeug kam ohne Reparatur über die gesamte Distanz. Im Teilnehmerfeld wurden unter anderem Motoren, Radlager, Lichtmaschinen und Zündkerzen gewechselt.
Auch für Georg Motorsport bedeutete der Einsatz deshalb volle Konzentration auf und neben der Strecke. Während die Fahrer Runde um Runde abspulten, sorgte die Mannschaft in der Box dafür, dass der Trabant möglichst zuverlässig durch den langen Renntag kam.
Echter Motorsport mit einer Rennpappe
Gerade der deutliche Unterschied zu den sonst von Georg Motorsport eingesetzten Tourenwagen macht den Reiz dieses Rennens aus. Statt auf Motorleistung, Aerodynamik und moderne Datentechnik kommt es beim Trabant besonders auf Schwung, saubere Linien und einen schonenden Umgang mit dem Material an.
Mit rund 26 PS wirkt die Rennpappe auf dem Papier vergleichsweise bescheiden. Elf Stunden nahezu ununterbrochener Renneinsatz verlangen dem Fahrzeug und der gesamten Mannschaft dennoch alles ab. Jeder Fahrerwechsel, jeder Boxenstopp und jede erfolgreich absolvierte Runde werden dabei zu einem wichtigen Teil des gemeinsamen Ergebnisses.
Großes Treffen ostdeutscher Fahrzeugkultur
Abseits der Rennstrecke bot die Veranstaltung ebenfalls einiges. Rund 380 Ausstellerfahrzeuge verwandelten das Infield in ein großes Treffen für Trabant, Wartburg, Barkas, Simson und MZ. Ergänzt wurde das Programm durch Simson-Sprintrennen, Fahrzeugprämierungen und weitere Angebote für Besucher und Familien.
Insgesamt kamen nach Angaben der regionalen Berichterstattung rund 3.500 Besucher zum DEKRA Lausitzring – etwa doppelt so viele wie im Vorjahr.
Ein besonderes Highlight im Rennkalender
Der Trabant-Langstreckentest hat sich inzwischen fest im Saisonkalender von Georg Motorsport etabliert. Bereits vor Beginn der Saison hatte das Team angekündigt, das Breitensportprogramm fortzusetzen und erneut bei den 660 Minuten anzutreten.
Zwischen leistungsstarken Tourenwagen, Nachwuchsförderung und professionellen Cup-Einsätzen bleibt die Rennpappe damit ein besonderes Gemeinschaftsprojekt. Der Einsatz auf dem Lausitzring steht für genau das, was Motorsport auch ausmacht: Teamgeist, Improvisation, Ausdauer und die Freude daran, gemeinsam ein Fahrzeug bis zur Zielflagge zu bringen.
Elf Stunden mit einem Trabant sind kein gemütlicher Oldtimerausflug. Es ist echter Langstreckenmotorsport – nur eben mit Zweitaktduft und Duroplast.
